Die Marienkirche in Tripkau wurde erstmals im Jahr 1618 als Fachwerkbau errichtet. Nach etwa 100 Jahren war diese Kirche bereits in einem sehr schlechten baulichen Zustand und wurde aus diesem Grunde im Jahr 1757 von Otto Heinrich von Bonn durch eine schlichte Saalkirche aus Fachwerk ersetzt. Der zweite Kirchenbau wurde ohne Turm gebaut. Aber auch diesem Kirchenbau war kein langes Leben bescheiden, den wieder knapp 100 Jahre später musste auch diese Kirche ersetzt werden. Das zweite Kirchengebäude bildete jedoch den Grundstock für die heutige Kirche. Die heutige Gestalt der Kirche entstand 1864 nach Plänen von Conrad Wilhelm Hase. Beim Neubau erhielt die Kirche einen Dachreiter, sowie einen polygonalen Choranbau und eine Sakristei. Von 1996 bis 1998 wurde die Kirche grundlegend renoviert und umgestaltet. Im Zuge dessen wurde der Innenraum durch den Maler und Hochschullehrer Ludwig Ehrler neu gestaltet. Diese ungewöhnliche Gestaltung lockt so viele Touristen an, dass St. Marien zu einer der meistbesuchten Kirchen der Region geworden ist. Freilich war die Umgestaltung nicht jedem recht und es gab heftige Diskussionen. Der Künstler füllte den ganzen Raum mit einem Muster aus Kreuzen, die an allen Wänden, der Decke, den Emporen und den Türen gemalt sind. Vor den Fenstern sind sie aus Eisenblech angebracht und im Ziegelboden aus grauem Zement. Selbst am Altar sind Kreuze angebracht. Am Boden und an der Decke sind sie deckungsgleich. Die Anordnung der Kreuze trifft auf den vorhandenen Raum. Ihr Skelett, also das Fachwerk bleibt stets weiß und greift somit in die "Durchkreuzung" ein. Gottes Wirken und menchliches Schaffen können sich ergänzen und sind doch getrennt.
Die Ornamentik deutet das Chaos im Menschsein an und drängt zur Suche nach der dahinter liegenden Ordnung. Die Frage nach dem "Woher und Wohin" treibt zur Ergründung von Sinn und Ganzheit. Drängen, Fragen, Treiben und Suchen sind ein Grundprozess der Kirche, jedes Gläubigen und der Gesellschaft. Glauben Ehrler dazu in seinen Erläuterungen: „Dieser sakrale Raum ist keine gemütliche Stube". Alles in allem ist dieser Kirchenraum einmalig gestaltet.
Im Turm der wunderschönen Fachwerkkirche hängen drei Glocken. Zu der verbliebenen Glocke von 1924 goss die Eifeler Glockengießerei Mark in Brockscheid im Jahr 2010 zwei Glocken hinzu. Besonders die große Glocke kann mit einer hohen Nachhallzeit überzeugen. In einer Anrichte hängt zudem noch eine Schlagglocke von Schilling in Apolda. Das Geläut hängt in einem Holzglockenstuhl an Holzjochen.
Das Museum "Das Alte Zollhaus" in Hitzacker erstellte zusammen mit einem Bewohner des Weidenhofes der Stiftung Irene in Hitzacker, einer Lebens- und Wohngemeinschaft spezialisiert für erwachsene Menschen mit Autismus, ein Audiokataster der Kirchenglocken im Wendland und darüber hinaus. Diese Audio- Dateien wurden dem Projekt #createsoundscape freundlicherweise zu Verfügung gestellt!








